Kapitel 6 – Vertragsmanagement

Ziel dieses Kapitels

Das Vertragsmanagement bildet die fachliche Grundlage für die spätere Verarbeitung und Abrechnung von Ladevorgängen.

5.1 Fachlicher Hintergrund und Zweck des Gridware Contracts

Der Gridware Contract beschreibt die geschäftliche Beziehung zwischen den beteiligten Parteien. Er legt fest, wer eine Leistung zur Verfügung stellt, wer diese Leistung nutzt und unter welchen vertraglichen sowie kaufmännischen Bedingungen die Leistung abgerechnet wird.

Der Vertrag regelt insbesondere:

Damit bildet der Gridware Contract sowohl den eingehenden Geldfluss als auch den ausgehenden Geldfluss ab.

Der Gridware Contract (Nummernkreis GWC- plus Ziffern) steuert, wie Sessions berechnet und gutgeschrieben werden. Ohne Vertrag keine saubere CUD/SUD.

Warum wurde der Gridware Contract als Custom DocType entwickelt?

Der Gridware Contract wurde als projektspezifischer DocType entwickelt, um die in Gridware vorhandenen Verträge vollständig innerhalb von ERPNext abzubilden und als Grundlage für die weitere kaufmännische Verarbeitung zu verwenden.

Der Standard-DocType Contract in ERPNext bildet die benötigte Gridware-Struktur nicht ausreichend ab. Insbesondere fehlen dort Funktionen und Datenstrukturen für:

Der Custom DocType dient daher nicht nur als Kopie eines Vertrags aus Gridware, sondern als zentrale kaufmännische Integrationsschicht innerhalb von ERPNext. Er verbindet die Vertragsdaten aus Gridware mit den Stammdaten, Nutzungsdaten und späteren Abrechnungsprozessen in ERPNext.

Langfristig soll der Gridware Contract außerdem Teile der Vertragslogik übernehmen, die derzeit noch über ERPNext Subscriptions abgebildet werden.

Datenhoheit und Anlage des Vertrags

Gridware ist das führende System für sämtliche Vertragsdaten.

Ein Vertrag wird grundsätzlich in Gridware angelegt:

Anschließend wird der Vertrag nach ERPNext synchronisiert und dort als Gridware Contract gespeichert. Der Datensatz in ERPNext stellt damit das kaufmännische Abbild des ursprünglichen Gridware-Vertrags dar.

Eine manuelle Neuanlage eines Gridware Contracts in ERPNext ist nicht Bestandteil des vorgesehenen Standardprozesses. Änderungen an Vertragsdaten sollen ebenfalls grundsätzlich im führenden System Gridware vorgenommen und anschließend nach ERPNext synchronisiert werden.

5.2 Der Synchronisationsprozess

Ein wesentliches Architekturprinzip der Integration ist, dass die Synchronisation immer mit dem Gridware Contract beginnt. 

Über die Becharged Settings kann aktuell ein Vertrag per Gridware-ID gezogen werden; dann läuft der komplette Synchronisationsprozess automatisch ab.

Verträge abrufen lädt die gesamte Vertragsmenge und ist nicht leicht rückgängig 

Der grundsätzliche Ablauf ist:

Gridware Contract
        ↓
Synchronisation des Vertrags nach ERPNext
        ↓
Ermittlung aller beteiligten Personen und Organisationen
        ↓
Anlage oder Aktualisierung der Gridware Parties
        ↓
Anlage beziehungsweise Verknüpfung von Customer und Supplier
        ↓
Synchronisation der zum Vertrag gehörenden Gridware Usages
        ↓
Aggregation zu Customer Usage Data und Supplier Usage Data
        ↓
Kunden- und Lieferantenabrechnung
┌─────────────────────────────────────────────────────────────────┐
│                    SYNCHRONISATIONSABLAUF                       │
├─────────────────────────────────────────────────────────────────┤
│                                                                 │
│  PHASE 1: API AUTHENTIFIZIERUNG                                │
│  ├─ GridwareClient() wird initialisiert                        │
│  ├─ JWT-Token wird abgerufen (2FA falls nötig)                │
│  └─ Gridware Sync Log: Status = "Authenticated"               │
│                                                                 │
│  PHASE 2: CONTRACT ABFRAGE                                    │
│  ├─ GET /services/contracts?limit=100&offset=0               │
│  ├─ Alle Verträge werden gepagiert abgerufen                 │
│  └─ Gridware Sync Log: HTTP 200 OK, Response Time            │
│                                                                 │
│  PHASE 3: FÜR JEDEN CONTRACT                                  │
│  ├─ GET /services/contracts/{contract_id}                    │
│  │  └─ Contract Details (allgemeine Infos, Supplier, VAT)    │
│  │                                                            │
│  ├─ GET /services/contracts/{contract_id}/customer           │
│  │  └─ Liste aller Customers (möglicherweise gepagiert)      │
│  │                                                            │
│  └─ GET /services/transactions/allTransactionSummaries       │
│     └─ Alle Usages (Transaktionen) für Contract              │
│                                                                 │
│  PHASE 4: PARTEIEN-SYNCHRONISATION (Background Job)          │
│  ├─ find_or_create_party() für Contract Giver                │
│  ├─ find_or_create_party() für jeden Customer                │
│  ├─ Erstelle Gridware Parties falls nicht vorhanden          │
│  └─ Verknüpfe zu Customer/Supplier                           │
│                                                                 │
│  PHASE 5: USAGES SYNCHRONISATION (Background Job)            │
│  ├─ Für jede Transaction: fetch_single_usage()              │
│  ├─ GET /backoffice/usages/{usage_id}                       │
│  └─ Erstelle Gridware Usage (Status: Complete)              │
│                                                                 │
└─────────────────────────────────────────────────────────────────┘

Der Vertrag ist damit der Ausgangspunkt für die gesamte nachgelagerte Datenverarbeitung.

Über die becharged Settings kann aktuell ein Vertrag per Gridware ID gezogen werden, dann läuft der komplette Synchronisationsprozess wie oben dargestellt automatisch ab. 

5.6 Aufbau des Gridware Contract Doctypes

Der Doctype gliedert sich fachlich in folgende Bereiche:

  1. Connections

  2. General Information

  3. Supplier Details

  4. Contract Customers

  5. Invoicing Section

Screenshot 2026-07-23 at 21.15.11.png

Screenshot 2026-07-23 at 21.14.42.png

Screenshot 2026-07-23 at 21.14.54.png

5.7 Connections

Im oberen Bereich des Dokuments werden die mit dem Vertrag verbundenen Vorgänge dargestellt.

Aktuell bestehen Verknüpfungen zu:

Diese Verknüpfungen ermöglichen es, von einem Vertrag direkt auf die zugehörigen Transaktionen und Abrechnungsbatches zuzugreifen.

5.8 General Information

Der Bereich General Information enthält die grundlegenden Vertragsinformationen aus Gridware.

Contract ID

Die numerische Gridware-ID des Vertrags.

Sie dient als externer Identifikator für die Synchronisation.

UUID

Die eindeutige technische UUID des Vertrags in Gridware.

Contract Number

Die fachliche Vertragsnummer.

Contract Type

Der Contract Type bestimmt das zugrunde liegende Geschäftsmodell und beeinflusst die spätere Verarbeitung der zugehörigen Usages.

Active From

Datum und Uhrzeit, ab denen der Vertrag gültig ist.

Internal Information

Interne Vertragsbezeichnung beziehungsweise Beschreibung.

Customer Information

Kundenbezogene Beschreibung des Vertrags.

Feld Datentyp Quelle Beschreibung
contract_id Text (unique) Gridware API Externe Identifikator (contractId)
uuid Text Gridware API Eindeutige technische UUID
contract_number Text Gridware API Fachliche Vertragsnummer
contract_type Select Gridware API Vertragstyp (s. Kapitel 5.9)
active_from Datetime Gridware API Gültigkeit Start
active_until Datetime Gridware API Gültigkeit Ende
internal_information Text Editor Gridware API Interne Notizen
customer_information Text Editor Gridware API Kundenspezifische Infos
status Text Gridware API Active, Inactive, Closed, Expired

5.9 Contract Types und deren Verarbeitung

USAGE_POSTPAID

Vertragstyp: Nachträgliche Abrechnung von Ladevorgängen

API Verarbeitung:

USAGE_HUBJECT_CPO_ROAMING

Vertragstyp: CPO-Roaming über Hubject

image.png

USAGE_ADHOC

Vertragstyp: Ad-hoc-Ladevorgänge (nicht über normale Rechnungslogik)

Spezialbehandlung:

# customer_usage_data.py :: create_customer_usage_data()

if contract_type in ["USAGE_ADHOC"]:
    # Überspringe diese Usages - werden nicht über normale Logik abgerechnet
    frappe.log_error(
        title=f"Gridware Usage {usage.name} has contract_type {contract_type}",
        message="Skipping aggregation for USAGE_ADHOC"
    )
    continue

EMP_USAGE_INTERNAL

Vertragstyp: Interne Dienstwagennutzung

5.10 Supplier Details

Jedem Gridware Contract kann genau ein Lieferant beziehungsweise Contract Giver zugeordnet sein.

Der Contract Giver ist in der Regel der CPO, der die Ladeinfrastruktur beziehungsweise die zugrunde liegende Leistung zur Verfügung stellt.

Im Bereich Supplier Details werden unter anderem folgende Informationen gespeichert:

Contract Giver ID

Gridware-interne ID des Contract Givers.

Contract Giver Identifier

Name beziehungsweise fachliche Bezeichnung des Contract Givers.

Contract Giver Contractor ID

Gridware-ID der zugehörigen Person oder Organisation.

Contract Giver Contractor Type

Kennzeichnet, ob der Contract Giver eine Person oder Organisation ist.

Gridware Supplier Party

Verknüpfung zur zugehörigen Gridware Party.

Supplier

Verknüpfung zum ERPNext Supplier.

Feld Datentyp Quelle Beschreibung
supplier_name Text Gridware API (supplierFirst.identifier) Name des Lieferanten/CPO
api_supplier_reference Text Gridware API (supplierFirst.id) Eindeutige Referenz
contractor_id Text Gridware API (supplierFirst.contractorId) Subject ID des Contractors
contractor_type Select Gridware API ORGANIZATION / PERSON
gridware_supplier_party Link Auto (Phase 1) Verknüpfung zu Gridware Party
supplier Link Auto (Phase 1) Verknüpfung zu ERPNext Supplier

5.11 Contract Customers

Einem Vertrag können mehrere Kunden zugeordnet sein.

Dabei kann es sich um:

handeln.

Jede Zeile der Child Table repräsentiert eine beteiligte Kundenentität und enthält unter anderem:

Feld Datentyp Quelle Beschreibung
customer_id Text Gridware API Eindeutige Customer ID
customer_number Text Gridware API Kundennummer
subject_id Text Gridware API (subjectId) Subject ID (Person/Org)
subject_type Select Gridware API ORGANIZATION / PERSON
subject_name Text Gridware API Name (Person/Org)
subject_salutation Text Gridware API Anrede
active Check Gridware API Ist Kunde aktiv
gridware_party Link Auto (Phase 1) Verknüpfung zu Gridware Party
customer Link Auto (Phase 1) Verknüpfung zu ERPNext Customer
assignment_periods_json JSON Gridware API Zuordnungsperioden

Der Contract Customer ist der zahlende Kunde innerhalb der Vertragsbeziehung.

Die Zuordnung von Kunden zu einem Vertrag ist erforderlich, weil ein Vertrag beispielsweise mehreren Nutzern, Mitarbeitern oder Organisationen die Nutzung derselben bereitgestellten Leistung ermöglichen kann.

5.12 Invoicing Party

Neben Contract Giver und Contract Customer existiert die Invoicing Party, im Doctype als Contractor Invoicing abgebildet. Diese Partei ist für die Verrechnung verantwortlich.

Es handelt sich hierbei in der Regel um:

5.13 Invoicing Section

Der Bereich Invoicing Section speichert die aus Gridware übernommenen Abrechnungsinformationen.

Contractor Invoicing ID

Gridware-ID der abrechnenden Partei.

Contractor Invoicing Identifier

Name der abrechnenden Partei.

Contractor Invoicing Supplier Number

Lieferantennummer der abrechnenden Partei innerhalb der Gridware-Logik.

Billing Period

Definiert den vorgesehenen Abrechnungszeitraum beziehungsweise das Abrechnungsintervall.

Price Rule

Die Price Rule wird aus Gridware übernommen. Sie wird derzeit zunächst als Information gespeichert und noch nicht vollständig als Berechnungsregel innerhalb ERPNext ausgeführt.

VAT

Der übermittelte Umsatzsteuersatz wird derzeit zu Dokumentationszwecken im Vertrag gespeichert.

Price Type

Der Price Type beschreibt, ob eine Preisangabe beispielsweise als Netto- oder Bruttopreis interpretiert wird. Dieses Feld soll insbesondere für die spätere Dienstwagenverrechnung relevant werden.

Payment Method

Die Payment Method soll zukünftig steuern, wie die Abrechnung beziehungsweise Zahlungsabwicklung erfolgt. Die genaue produktive Auswirkung wird im Zuge der weiteren Umsetzung ergänzt.

Feld Datentyp Quelle Beschreibung
contractor_invoicing_id Text Gridware API ID der abrechnenden Party
contractor_invoicing_identifier Text Gridware API Name (z.B. "becharged GmbH")
contractor_invoicing_supplier_number Text Gridware API Lieferantennummer
billing_period Select Gridware API Abrechnungszeitraum
price_rule Text Gridware API Preisregel
vat Percent Gridware API (×100) MwSt-Satz (0.19 → 19%)
price_type Select Gridware API NET / GROSS
payment_method Select Gridware API SEPA / CARD / etc.

5.14 Button „Fetch Customers & Supplier“

Der Button Fetch Customers & Supplier dient aktuell als manueller Zwischenschritt innerhalb des Synchronisationsprozesses.

Er wird verwendet, nachdem:

  1. die Verträge synchronisiert wurden,

  2. die zugehörigen Gridware Parties angelegt wurden,

  3. die entsprechenden Customer- und Supplier-Stammdaten erzeugt wurden.

Anschließend stellt der Button die Verknüpfungen zwischen:

her.

Der Button soll zukünftig durch einen vollständig automatisierten Prozess ersetzt werden.

Zusätzlich wurde eine Funktion zur übergreifenden Verknüpfung aller Contract Parties eingeführt, damit fehlende Kunden- und Lieferantenbeziehungen gesammelt ergänzt werden können.

5.15 Aktualisierung bestehender Verträge

Bestehende Gridware Contracts werden bei einer erneuten Synchronisation nicht grundsätzlich überschrieben.

Die Implementierung prüft, ob sich Vertragsfelder oder die zugehörigen Kundenbeziehungen geändert haben. Nur tatsächliche Änderungen werden übernommen.

Zusätzlich wurde die Änderungsverfolgung für den Doctype aktiviert, damit Änderungen am Vertragsabbild nachvollziehbar bleiben.


Revision #5
Created 2026-07-23 19:39:24 CEST by Celia Lohner
Updated 2026-09-01 11:37:45 CEST by Celia Lohner